Ein Mann stützt sich auf seine Ellebogen und schaut nachdenklich aus dem Fenster.

Aktionstag Suchtberatung

Wohlfahrtsverbände weisen auf prekäre Finanzierung der ambulanten Suchthilfe hin

Mit einem „Aktionstag Suchtberatung“ weisen Wohlfahrtsverbände und Suchtselbsthilfeverbände am 4. November 2020 auf die prekäre Finanzierung der ambulanten Suchthilfe hin. Der Aktionstag steht bundesweit unter dem Motto „Kommunal wertvoll!“. Ziel ist es, den Dialog mit der Politik in den Kommunen zu fördern. „Suchtberatung braucht eine stabile, kostendeckende und verlässliche Finanzierung“ sagt Dr. Frank Johannes Hensel, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der nordrhein-westfälischen Wohlfahrtsverbände (LAG Freie Wohlfahrtspflege NRW), der auch der Paritätische NRW angehört.

Erhebliche Unterschiede von Kommune zu Kommune

Die Corona-Pandemie zeige, welch gute Arbeit die Suchthilfe vor Ort leiste. Trotz des notwendigen Lockdowns konnte im Frühjahr den meisten Menschen mit Suchtproblemen auch in der Krise geholfen werden. „Anerkennung erreichte uns nicht nur aus den Kommunen, sondern auch aus der Landespolitik“, sagt Hensel. Doch die Refinanzierung bleibe prekär, weil sie eine freiwillige Leistung der Kommunen sei, so Hensel. Deswegen bestünden landesweit erhebliche Unterschiede bei der Versorgungsqualität für Menschen mit Suchtproblemen. „Notwendig sind neben der Suchtberatung auch eine kommunale Suchthilfeplanung, die von Präventionsangeboten für Schulen und Arbeitgeber über Angehörigenberatung und Unterstützung von Kindern aus suchtbelasteten Familien besteht“, sagt Hensel.

Hintergrund:

In NRW gibt es 173 Einrichtungen der ambulanten Suchthilfe, die 80.166 Menschen betreuten (Stand 2018). Die Hilfen erreichen Menschen mit eigenen Suchtproblemen (89 Prozent) und Personen aus ihrem sozialen Umfeld (11 Prozent). 90 Prozent der Einrichtungen sind in Trägerschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als vier Millionen Suchtkranke. Sie sind vor allem abhängig von Alkohol, Tabak oder Medikamenten. Weniger als ein Prozent der Suchtkranken sind von illegalen Drogen abhängig. Mindestens zwei Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen haben Alkoholprobleme und etwa 400.000 gelten als alkoholabhängig. Rund 100.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen weisen ein problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten auf. Mehrere zehntausend Menschen in Nordrhein-Westfalen sind abhängig von illegalen Drogen. (Quelle: MAGS)

Suchtberatung unter dem Dach des Paritätischen NRW

Etwa 75 ambulante Suchtberatungsstellen arbeiten unter dem Dach des Paritätischen, auch die Aidshilfe NRW ist Teil der Suchthilfe in den Kommunen. Die Angebote für die Betroffenen reichen von einem einfachen warmen Kaffee über Hygieneangebote, psychosoziale Beratung und Hilfestellung im Alltag und die medizinisch begleitete Substitution bis hin zu Wohnangeboten.

 


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